Zweimal Jonas: Mit Liebe für Secondhand und Reparatur
Würden wir alle Gebrauchsgegenstände in der Schweiz nur ein Jahr länger nutzen, könnten wir pro Jahr 1,8 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen. Genau an dieser grossen Stellschraube setzt das StartUp «Pretty Good» an, in dem es die Nutzungsdauer von Alltagsgegenständen verlängert.
Wir begegnen Ting-Mitglied und Mitgründer Jonas Beer im «Pretty Good» Sammelsurium: Lager, Reparaturwerkstatt, Logistikzentrum & Co. in einem. Ab Sekunde 1 sind wir berührt von seiner unübersehbaren Leidenschaft und dem Herzblut, das er in dieses zukunftsorientierte Unterfangen investiert.
Eigentlich wissen wir es ja, aber vor Ort, in unmittelbarer Präsenz der vielfältigsten Utensilien, also vom Kinderbett, zur Klobrille, über Rucksäcke bis hin zu Gartendekoration und was wilden Fantasien noch so einfallen mag, wird uns klar, wie makaber unsere Wegwerfgesellschaft sich gebärdet und wie nötig wir ein Unternehmen wie «Pretty Good» haben. Unsere nicht ideale Klimasituation lässt grüssen.
«Pretty Good» repariert im Kundenauftrag und sammelt aber auch Produkte auf Entsorgungshöfen, die sie aufbereiten und über verschiedene Verkaufskanäle zurück in den Nutzungskreislauf bringen. Die Gründer von «Pretty Good» sind überzeugt davon, dass unser Konsum viel zirkulärer werden muss. Produkte und ihre Komponenten sollen im Kreislauf bleiben: wenn sie kaputt sind, werden sie repariert. Werden sie nicht mehr gebraucht, können sie verschenkt oder verkauft werden.
Ting als wertvoller Katalysator und Anstoss
Vier Monate Community-Geld hat Jonas wertvollen Freiraum geschenkt, in dem er sich voll und ganz auf sein StartUp konzentrieren konnte, ohne existenziellen Überlebensdruck. Auch wenn er es am Anfang gar nicht so einfach fand, Geld von wildfremden Menschen anzunehmen. Plötzlich war da ein ungutes Gefühl, ein selbstauferlegter Druck, die Frage nach Rechenschaft.
Rückblickend findet er, dass die Zweifel an sich selbst und auch die Angst das Geld nicht wirklich verdient zu haben, zu Beginn zu viel Raum eingenommen haben: « [..], die Auseinandersetzung war am Anfang ziemlich lange. Ich glaube, das muss man nicht. Es ist okay.»
Gleichzeitig feiert Jonas genau das: Ting gibt einen Anstoss zur Auseinandersetzung mit dem Thema Geld und wirft Fragen auf. Grössere Fragen zu Finanzen, Lohnarbeit, Impact, etc. Deswegen ist er weiterhin bei Ting, auch wenn er auf eher kleinem finanziellen Fuss lebt und sich manchmal beim Gedanken ertappt, dass er den monatlichen Beitrag ja auch in sich selber investieren könnte.
Diese Überlegungen sind aber von kurzer Dauer, denn Jonas will selber Mitgestalter einer alternativen gesellschaftlichen Finanzhandhabung sein und genau da sieht er Ting als wichtige Vorreiterin:
Ting - kurz erklärt
Ting ist eine Community-Plattform die sinnhafte Vorhaben mit Impact finanziert. Mit monatlichen Beiträgen bauen wir ein gemeinsames Vermögen auf, das Mitgliedern transparent und in Form eines zeitlich begrenzten Einkommens zur Verfügung steht. Ting wurde geschaffen, um Menschen zu befähigen, Vorhaben in die Tat umzusetzen, die positiv auf ihr Leben und die Gesellschaft wirken.
Ich hoffe, dass es Ting vielleicht einmal nicht mehr braucht. Dass wir eine Gesellschaft etablieren können, in der Lohnarbeit, Arbeit und Geld fairer, nachhaltiger und sozialer verteilt ist. Bis wir an diesem Punkt sind, und ich bin Optimist und überzeugt, dass es dazu kommt, braucht es Ting noch.
Seine Augen leuchten, wenn er über «Pretty Good» spricht und wir leuchten ein bitzli mit. Während wir unsere Sachen zusammenpacken chrümschelt Jonas bereits wieder in seinem Gebrauchtwaren-Universum, wirft prüfende Blicke auf ein Kinderbett, testet ein Minischlagzeug - ein moderner, schampar sympathischer Schraubenzahn auf zirkulärer Mission.